Einsatz wegen brennendem Fett – Neujahrsempfang der Kernstadtwehr in der Fahrzeughalle

Friedberg (har). „Feueralarm, stellen Sie Einsatzbereitschaft her.“ Es war kurz vor 20 Uhr, als die Durchsage der Leitstelle Wetterau am Montagabend durch das Feuerwehrgerätehaus der Kernstadtwehr hallte. Sechs Einsatzkräfte rannten in die Fahrzeughalle, zogen sich schnell um, sprinteten zum Löschfahrzeug, wo die Atemschutzträger  ihre Masken aufsetzten.

Beobachtet wurde der vermeintliche Einsatz von den gut 100 Besuchern des Neujahrsempfangs der Kernstadtwehr in der Halle. Denen war zuvor an einem brandneuen Modell demonstriert worden, was passieren kann, wenn sich Fett auf dem Küchenherd selbst entzündet und dann womöglich noch versucht wird, den Brand mit Wasser abzulöschen, was zu einer Stichflamme führt.

Nach der Alarmierung demonstrierten die sechs Wehrmitglieder, wie ein solcher Einsatz im Detail abläuft. Schläcuhe wurden verlegt, eine Person wurde aus dem verrauchten Nachbarraum gerettet und an den Rettungsdienst übergeben sowie ein Rauchschutzvorhang angebracht.

Kommentiert wurden Vorführung und Übung von Wehrführer Valentin Gangur und dem Fördervereinsvorsitzenden Ralf Höhmann, die zahlreiche Ehrengäste begrüßen konnten. Gekommen waren unter anderem Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, Bürgermeister Dirk Antkowiak, Kreisbeigeordnete Stefanie Becker-Bösch, Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf und Dr. Reinhold Merbs, Leiter des Fachdienst Gesundheit des Wetteraukreises.

Gemeinsam blickten Gangur und Höhmann auf ein relativ ruhiges Jahr 2017 zurück. Die Zahl der Alarmierungen der aktuell 60 Einsatzkräfte, darunter vier Frauen, war um vier auf 182 leicht zurück gegangen. In der Jugendfeuerwehr sind 16 Jungen und vier Mädchen aktiv.

„Wir hatten wenig Feuer, das ist für die Bürger toll“, so das Fazit von Gangur, der von einem ersten Einsatz bei einem Unfall mit einem gasbetriebenen PKW berichtete. „Wir müssen uns immer auf neue Techniken einstellen“, ergänzte Höhmann. Dazu wurde unter anderem ein Seminar mit den Themen technische Hilfeleistung und Unfallrettung durchgeführt.

Der Feuerwehrverein veranstaltete neben dem Neujahrsempfang, sein Schlachtessen sowie den Tag der offenen Tür. Auch am Weihnachtsmarkt sowie bei „Friedberg spielt“, nahm die Feuerwehr wieder teil. Die vielen Aktivitäten zahlten sich aus. Die Zahl der Vereinsmitglieder stieg um über 20 auf aktuell 226 an.

Der Verein unterstützt Einsatzabteilung und Jugendfeuerwehr mit zahlreichen Anschaffungen, wie dem neuen Modell zur Demonstration von brennendem Fett. Viel Lob für die ehrenamtliche Arbeit der Wehr gab es von Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender und Bürgermeister Dirk Antkowiak.

Hollender lobte das Engagement der Kernstadtwehr bei der Städtepartnerschaft, besonders die Verbindung zum portugiesischen Entrocamento. Dessen Bürgermeister hat nach einem Besuch bei der Wehr beschlossen, eine Jugendfeuerwehr aufzubauen. Hollender: „In Portugal gibt es so etwas gar nicht.“

Antkowiak lobte die Nachwuchsarbeit aller Friedberger Wehren und wünschte den Einsatzkräften wenig Einsätze. Nach der Vorführung luden Gangur und Höhmann die Gäste zu einem Imbiss und „vielen guten Gesprächen“ ein.

Insgesamt 182 mal wurde die Kernstadtwehr im vergangenen Jahr alarmiert, allerdings waren darunter alleine 72 Fehlalarmierungen, wovon 28 Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen ausgelöst wurden. 33 mal handelte es sich um Fehlfahrten oder dem Abbruch von Fahrten, während blinder und böswilliger Alarm nur neun mal vor kamen. Die Wehr wurde zu 44 Bränden, darunter einem Groß-, drei Mittel- und 19 Kleinbränden gerufen. Bei den 64 technischen Hilfeleistungen lag die Befreiung eingeschlossener Personen mit 21 Einsätzen an der Spitze, gefolgt von neun kleinen Hilfeleistungen und sechs Verkehrsunfällen, bei zweien mussten eingeklemmte Personen befreit werden. Je drei mal wurde der Rettungsdienst unterstützt, Wasserschäden in einem Gebäude sowie Sturm- und Unwetterschäden beseitigt. 52 mal wurde die Einsatzabteilung zu Einsätzen außerhalb der Kernstadt alarmiert, davon 23 in den Ortsteilen sowie 29 im Kreisgebiet mit der Leiter oder dem Gefahrgutmessfahrzeug. An der Spitze lagen hier Alarmierungen nach Niddatal(7), gefolgt von Rosbach und Florstadt(je 5).(har)

 

Text: Harald Schuchardt

Fotos: Loni Schuchardt